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Zoo Landau in der Pfalz
Afrika-Anlage

Jonas Homburg (Autor für ZooLex)
Monika Fiby (Editorin für ZooLex)
Jens-Ove Heckel (Editor für Zoo Landau)

Veröffentlicht 08 Jun 2019

english

UP ADRESSE:

Hindenburgstraße 1276829 Landau in der Pfalz
Telefon: +49 6341 137010
URL: http://www.zoo-landau.de


UP STICHWORTE

Gemeinschaftshaltung, Immersion, Männchengruppe


UP TIERE:

Familie:Spezies:deutscher Name:Kapazität:
Bovidae Cephalophus natalensis Rotducker 1,1 + Nachwuchs
Bovidae Connochaetes taurinus taurinus Südliches Streifengnu 1,2 + Nachwuchs
Equidae Equus hartmannae Hartmann-Bergzebra 2,0 (3,0)
Herpestidae Suricata suricatta Erdmännchen


UP BESCHREIBUNG:

Die Afrika-Anlage im Zoo Landau wurde zum hundertsten Zoo-Jubiläum eröffnet. Sie ersetzte eine Reihe kleinerer und nicht mehr zeitgemäßer vergitterter Huftieranlagen mit Einzelställen entlang der historischen Fortmauer. Ein bestehendes gemauertes Stallgebäude wurde erhalten, an beiden Seiten in Holzständerbauweise erweitert und mit einem begrünten Flachdach überbaut. Die Rückseite des erweiterten Gebäudes ist an die Fortmauer angebaut. Die mit Lärchenstämmen verkleidete Gebäudefront und das Gründach lassen den Baukörper optisch kaum hervortreten. Die seitlichen und rückseitigen Gitterzäune der vormaligen Huftiergehege wurden ebenfalls erhalten und mit Lärchenstämmen bzw. Halbhölzern verschiedener Höhe verkleidet. Die dichte Vegetation oberhalb der Fortmauer soll den Eindruck eines Galeriewaldes hinter einer Savannenlandschaft vermitteln.

Die beiden Außenanlagen sind für die Gemeinschaftshaltung durch zwei Tore verbindbar. Der westliche Gehegeteil ist vom benachbarten Streichelzoo durch eine blickdichte Palisadenwand getrennt. An die Besucherseite grenzt ein 1,40m tiefer Trockengraben aus kubischen Steinblöcken und meterhohen Robinienstämmen. Steine und aufgeschichtete Äste verhindern bis auf zwei Stellen, dass die Huftiere in den Graben hinuntersteigen. Die natürliche Vegetation im Graben macht diesen kaum erkennbar und bietet einen barrierefreien Einblick in die Anlage. Je ein Teil des Grabens ist in beiden Anlagen mit Steinen befestigt und als Wasserloch für die Tiere zugänglich. Grund- und Regenwasser sammelt sich hier max. zu einer Tiefe von 30 cm, wobei der Wasserstand wie im natürlichen Lebensraum der Tiere über das Jahr hinweg schwankt.

An der Grenze zwischen den beiden Huftiergehegen liegt besucherseitig das Gehege der Erdmännchen. Es wird von Natursteinmauern an den Grabenkanten begrenzt und ist somit landschaftlich in die Huftieranlage eingebettet. Die obersten Steinplatten bilden gehegeseitig einen Überhangs und sind zusätzlich mit einem einzelnen Elektrodraht gegen ein Entweichen der Erdmännchen abgesichert. Unterhalb der Sandschicht liegen Betonrasengittersteine als Untergrabeschutz.

Aktuell werden in der Anlage keine Rotducker gehalten, weil die ehemalige Stallfläche für Tiere des Streichelzoos benötigt wird. Im Zoo-Masterplan ist eine Erweiterung der Afrika-Anlage mit einem dritten Gehegeteil und zusätzlichem Stallgebäude bis an das afrikanisch thematisierte Zoo-Restaurant vorgesehen. Dann werden erneut Ducker und weitere Individuen von Zebras und Gnus einziehen. Eine Vergrößerung des Erdmännchengeheges und der Einbau einer ebenerdigen Glasscheibe für barrierefreien Einblick sind auch geplant.


 

UP GRÖSSE:

Die Zebra-Stallboxen sind zusammen ca. 27m² groß, den Gnus stehen ca. 33m² zur Verfügung. Der Innenraum der Erdmännchen misst 10,66m². Die beiden Huftier-Vorgehege sind jeweils ca. 26m² groß, die Erdmännchenanlage ca. 21m². Die zweiteilige Großanlage umfasst etwa 1300m³.

Flächeaufteilung in Quadratmetern:

Fläche:innen:aussen:Gehege gesamt:
  zugänglichgesamtzugänglichgesamt 
Tiere701.2501.4001.470
Besucher250250
andere80400480
gesamt1502.0502.200

 

UP KOSTEN:

€ 360.000


 

UP ERÖFFNUNGSDATUM:

29 August 2004
 

UP PLANUNG:

Beginn:

  • Planung: Architekturbüro Peter Buchert, Landau in der Pfalz

UP BAU:

Beginn Januar 2003


UP SEEHÖHE UND KLIMA:

walter.gif Dies ist ein Klimadiagramm für die nächstliegende Wetterstation.

 

UP PFLANZEN:

Vorhandene mittelgroße Bäume wurden in die Anlage eingebunden und durch Baumstämme, Asthaufen und Steine gegen die Huftiere geschützt. Auf beiden Anlagenteilen befinden sich mehrere Grüninseln. Die Wildpflanzen in den Trockengräben werden regelmäßig zurückgeschnitten, um den Besuchereinblick zu erhalten. Im Besucherbereich stehen überwiegend kleinblättrige Sträucher, die jenen im natürlichen Lebensraum der Tiere ähneln. Eine große Hanfpalme (Trachycarpus fortunei) neben dem Gehege der Erdmännchen dient als exotischer Blickfang. Der Besucherweg und ein Teil der Anlage wird von den umgebenden Parkbäumen beschattet.

Die Pflanzenliste gibt die lateinischen Namen der Pflanzen, die in diesem Gehege verwendet wurden


UP GEHEGEMERKMALE FÜR TIERE:

Die Gehegebereiche sind durch Steine, Baumstämme, Asthaufen und Grüninseln strukturiert. Die Gehölzinseln dienen den Duckern als Rückzugsmöglichkeiten. Sie können durch die Asthaufen hineinschlüpfen. Die beiden Gehege ermöglicht es, die Zebrahengste erforderlichenfalls vorrübergehend zu trennen oder auch Zebras und Gnus separat zu halten. Zusätzlich steht an beiden Seiten des Stalls jeweils ein kleines Vorgehege zur Verfügung. Diese werden für die Eingewöhnung neuer Tiere genutzt. Bei Geburten der Gnus werden die Zebras für die ersten Wochen abgetrennt. Auch wenn die Gehege getrennt sind, ermöglichen zwei Löcher in den Toren eine Schnupper- und Kontaktmöglichkeit der Individuen. Aussparungen unten an den Toren ermöglichen den Duckern ein freies Wechseln zwischen den Anlagenteilen.

Der durch Rasengittersteine aus Recycling-Kunststoff gut drainierte Sandboden bietet Zebras und Gnus an mehreren Stellen im Gehege bequeme Liegeflächen und wird gerne für Sandbäder genutzt. Der Bereich vor dem Stallgebäude ist mit Kopfsteinpflaster befestigt. Zusammen mit einer feinen Sandschicht darauf sorgt dies für einen ausreichenden Hufabrieb. Hier wird Futter unter dem überstehenden Dach des Stalls sowie an einem weiteren gepflasterten und überdachten Platz am rückwärtigen Gehegezaun angeboten, sodass die Tiere zum Fressen einander aus dem Weg gehen können. Am Stall sind Selbsttränken und Salzlecksteine angebracht. Die Antritte an den Wassergraben bieten weitere Trinkmöglichkeiten.

Im Stall stehen für die Gnus fünf Boxen und für die Zebras vier Boxen zur Verfügung. Auf dem betonierten Stallboden wird eine feine Sandschicht eingebracht, die für den nötigen Hufabrieb sorgt. Aus Sicherheitsgründen werden alle Huftiere nachts aufgestallt. Der Gnubulle hat dabei in der mittleren Box Sichtkontakt zu den Kühen auf beiden Seiten. Lassen sich die Tiere im Sommer nicht aufstallen, werden ihnen drei Boxen im Rundlauf mit einer Hälfte der Außenanlage zur Verfügung gestellt. Für die Zebras wird eine Box mit Stroh zum Abliegen und Fressen und die andere mit Sand für den Hufabrieb eingestreut. Die Tränken befinden sich in letzterer, sodass sich die Tiere auch nachts zwischen Futter und Wasser bewegen.

Die Erdmännchen können im Sandboden ihres Außengeheges flach graben. eine Rückzugs- bzw. Schlafkiste ist vorhanden. Eine Aufschichtung aus Steinen und Ästen in der Mitte des Geheges dient als Ausguck. Hier befindet sich auch eine an einem trockenen Baumstamm aufgehängte Wärmelampe. Im Stallgebäude steht ihnen ein beheizter Innenraum mit Holzschlafkisten zur Verfügung. Die Tiere erreichen diese von ihrem Außengehege durch ein knapp unter der Bodenoberfläche verlegtes ca. 10m langes Betonrohr.


 

UP GEHEGEMERKMALE FÜR TIERPFLEGER:

Die Tierpfleger arbeiten mit Zebras und Gnus auf der Außenanlage im direkten Kontakt. Entsprechend sind die Verbindungstore zwischen den Gehegeteilen manuell zu schließen. Die Klapptüren zwischen den Vorgehegen und der Anlage können über Hebel von außen bedient werden. Die Tierpfleger betreten den östlichen Anlagenteil durch eine Tür aus dem Stall, der westliche Teil hat ein Tor im rückwärtigen Zaun. Ein großes Doppeltor bietet eine Zufahrt für Fahrzeuge zur Anlage, sodass bei Anlieferung von Tieren mit dem Transportanhänger an die Vorgehege zugefahren werden kann. Angrenzend an den Futterplatz werden unter dem Vordach Heu und Stroh gelagert. Dieser Bereich kann durch den Zaun aufgefüllt werden. In regelmäßigen Abständen ist die Betonröhre der Erdmännchen durch Gitterabdeckungen für das Pflegepersonal einsehbar.

Im Stall läuft der Tierpflegergang entlang aller Boxen. Alle Verbindungen zwischen den Boxen, die Außentüren sowie die Zugänge in die Boxen sind als Schiebetore angelegt. Die Türen zwischen den Boxen werden manuell bedient und mit drehbaren Stiften gesichert, die Türen zur Außenanlage funktionieren elektrisch.


 

UP GEHEGEMERKMALE FÜR BESUCHER:

Der Besucherweg führt südlich an der Anlage entlang, sodass die Besucher die Tiere mit der Sonne im Rücken betrachten können. Sie sind dabei nur durch die hüfthohe Natursteinmauer und den dahinterliegenden unauffälligen Graben von der Anlage getrennt, sodass sich der Eindruck einer kontinuierlichen Landschaft zwischen Besucher- und Tierbereich ergibt. An den Wasserlöchern können die Zebras und Gnus den Besuchern besonders nahekommen. Die unteren Felsblöcke stehen auf der Besucherseite teils vor, sodass Kinder auf diese steigen und ungehindert über die Mauer schauen können. An diesen Stellen sind auf der Mauerkrone zur Absicherung Äste befestigt und Schilder weisen auf ein Bekletterungsverbot der Mauerkrone hin. Entlang des Weges strukturieren die Büsche den Besucherbereich an beiden Anlagenteilen mit mehreren Einblickstellen, sodass zu keinem Zeitpunkt alles überblickt werden kann und sich jeweils neue Perspektiven auf die Tiere eröffnen. Vor der Erdmännchenanlage befindet sich ein leicht erhöhter sechseckiger Besucherpavillon. An der Frontseite können die kleinen Besucher durch Glasscheiben die Erdmännchen betrachten, während sich zu beiden Seiten teils über das Erdmännchengehege hinweg ein freier Blick in die Huftieranlage bietet. Bänke entlang des Weges und im Unterstand laden zum Verweilen und Beobachten ein.


 

UP BILDUNG:

Die Gehegeschilder informieren über die Biologie der gezeigten Arten und die Bedrohung des Bergzebras in freier Wildbahn. Sie enthalten auch Informationen zu den aktuellen Nachzuchten bei den Gnus und die Haltung der Männchengruppe bei den Zebras. Im Pavillon zeigen Abgüsse vergleichend den Hufabdruck der Zebras als Einhufer und der Gnus als Paarhufer. Zwei Informationstafeln thematisieren die globale Klimaerwärmung, die damit verstärkte Wüstenbildung insbesondere in Afrika, die Auswirkungen auf die Tierwelt, und was die Besucher selbst tun können, um Energie zu sparen.

Eine Foto-Tafel zeigt den Zustand der anstelle der Afrika-Anlage bestehenden Huftierhaltung im Jahr 1972.


 

UP MANAGEMENT:

Die Anlage kann durch ein großes Doppeltor sowie eine Schwingtüre in die zwei Bereiche geteilt werden, sodass die Gemeinschaftshaltung der Arten flexibel gestaltet und unverträgliche Individuen vorrübergehend getrennt werden können.


 

UP FORSCHUNG:


 

UP ARTEN- UND RESSOURCENSCHUTZ:

Durch die Haltung von Junghengsten nach dem Vorbild von Bachelorgroups leistet die Anlage einen Beitrag zum Erhaltungszuchtprogramm des Hartmann-Bergzebras. Bereits mehrfach wurden hier herangereifte Hengste als später erfolgreiche Zuchthengste an andere Zoos weitergeben. Andererseits können Nachzuchthengste aus Zuchtgruppen vorübergehend in Landau platziert werden. Der Zoo Landau unterstützt außerdem ein Artenschutzprojekt im ostafrikanischen Djibouti.

Das Stallgebäude ist unter anderem durch die Holzständerauweise wie ein Wohngebäude gedämmt und wird sofern erforderlich durch unter der Decke angebrachte Heizkörper beheizt. In der Regel reicht in milden Wintern jedoch die Eigenwärme der Großtiere, um eine behagliche Stalltemperatur zu wahren. Die Bauweise und Gestaltung mit Holz aus der Region ist nachhaltig. Die verwendeten Materialien können weitgehend recycelt und rückstandsfrei entsorgt werden.


 

UP LOKALE RESSOURCEN:

Die verwendeten Natursteinquader entstammen einem Steinbruch bei Pforzheim. Das beim Bau und zur Gehegegestaltung verwendete Holz kommt direkt aus dem Landauer Stadtwald oder dem Pfälzer Wald in der Umgebung von Landau.


Overview

Overview

© Zoo Landau, 2018


 

Site Plan

Site Plan

© Peter Buchert Architekt, bearbeitet von Jonas Homburg, 2018


 

Gnu

Gnu

© Jonas Homburg, 2018


 

Weg zur Afrika-Anlage

1. Weg zur Afrika-Anlage

© Jonas Homburg, 2018


 

Blick in ein Gehege

2. Blick in ein Gehege

© Jonas Homburg, 2018


 

Landschaftliche Gestaltung

3. Landschaftliche Gestaltung

© Jonas Homburg, 2018


 

Blick über den Graben

4. Blick über den Graben

© Jonas Homburg, 2018


 

Futterplätze

5. Futterplätze

© Jonas Homburg, 2018


 

Sandbad

6. Sandbad

© Jonas Homburg, 2018


 

Anlagentrennung

7. Anlagentrennung

© Jonas Homburg, 2018


 

Besucherpavillon

8. Besucherpavillon

© Jonas Homburg, 2018


 

Erdmännchen-Anlage

9. Erdmännchen-Anlage

© Jonas Homburg, 2018


 

Wächter am Ausguck

10. Wächter am Ausguck

© Jonas Homburg, 2018


 

Wärmelampe

11. Wärmelampe

© Jonas Homburg, 2018


 

Besucherscheibe und Tierpflegerzugang

12. Besucherscheibe und Tierpflegerzugang

© Jonas Homburg, 2018


 

Erdmännchen und Gnu

13. Erdmännchen und Gnu

© Jonas Homburg, 2018


 

Blick zum zweiten Gehege

14. Blick zum zweiten Gehege

© Jens-Ove Heckel, 2018


 

Besuchereinblick ins zweite Huftiergehege

15. Besuchereinblick ins zweite Huftiergehege

© Jonas Homburg, 2018


 

Wasserloch

16. Wasserloch

© Zoo Landau, 2005


 

Gehegeschilder

17. Gehegeschilder

© Jonas Homburg, 2018


 

Hufabdruck

18. Hufabdruck

© Jonas Homburg, 2018


 

Informationstafel

19. Informationstafel

© Jonas Homburg, 2018


 

Stallgebäude

20. Stallgebäude

© Jonas Homburg, 2018


 

Huftierbox

21. Huftierbox

© Jonas Homburg, 2018


 

Erdmännchen-Innengehege

22. Erdmännchen-Innengehege

© Jonas Homburg, 2018


 

Vorgehege

23. Vorgehege

© Jonas Homburg, 2018


 

Huftiergehege 1972

24. Huftiergehege 1972

© Jonas Homburg, 2018