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Attraktive Zoogestaltung – gibt es ein Patentrezept?
Dr. Wolfgang Salzert, NaturZoo Rheine
Dieser Artikel erschien im Schönbrunner Tiergartenjournal 4/1997
Veröffentlichung in ZooLex mit Genehmigung des Autors im Januar 2004

Wir leben in einer Zeit weltweiter rasanter Naturzerstörung. Das heißt aber nicht, dass wir diese in jedem Falle schicksalhaft hinnehmen müssen, denn häufig ist sie vermeidbar und richtet sich auch vielfach gegen die Interessen der Menschen, die diese Naturzerstörung verursachen. Bei vielen heute bedrohten Lebensformen sind durchaus Szenarien vorstellbar, in denen sie künftig auch in enger Koexistenz mit der menschlichen Bevölkerung bestehen können , wenn nur die Menschen ihre Einstellung ihnen gegenüber ändern. Ich erinnere nur an die mancherorts in Europa wieder zunehmenden Wolfsbestände, die eben nicht die befürchteten großen Probleme verursachen.

Diese Zeitbrücke zwischen der aktuellen Bedrohung der Natur und einer möglichen zukünftigen Toleranz bzw. einer Koexistenz zwischen Mensch und Natur gilt es herzustellen, und da stehen uns grundsätzlich zumindest zwei Ansätze offen:

Erstens indem wir die Menschen aufklären und unterrichten und Sympathiewerbung betreiben für den Schutz der natürlichen Lebensräume und ihrer Bewohner. Es dies also die Umweltbildungsfunktion der Zoos.

Zweitens, wenn die Bedrohung einer Lebensform bereits ein kritisches Stadium erreicht hat (und das trifft in weiter zunehmendem Maße für viele der großen Wirbeltierarten zu, mit denen wir Tiergärtner uns befassen), indem wir Ex–situ–Konservierung betreiben, also Haltung und Vermehrung in menschlicher Obhut, zum Beispiel in Zoologischen Gärten.

Auch wenn diese Funktion der Zoos immer wieder in Zweifel gezogen wird – ich meine, wenn es rechtzeitig solche Zoos gegeben hätte, die es geschafft hätten, das Aussterben von Auerochsen, Quaggas, Dodos, Beutelwölfen oder Riesenalken zu verhindern, dann hätte allein die Rettung dieser fünf Tierarten die Existenz von Zoos gerechtfertigt. Die Erfolgsbilanz von heutigen Zoos, die beileibe noch nicht den Zenit ihrer Effizienz erreicht haben, ist schon jetzt weitaus besser.

Diese Naturschutzaufgaben zählen zweifelsohne zu den wichtigsten weil unaufschiebbaren Aufgaben unserer Zeit. Auf diesem Gebiet können und müssen Zoos einen großen, in mancher Hinsicht wohl entscheidenden Beitrag leisten. Deshalb zählen Zoos zu unseren wichtigsten kulturellen Einrichtungen, und deshalb brauchen wir viele Zoos, oder richtiger gesagt, wir brauchen viele gute Zoos.

Zoos als kulturelle Einrichtungen müssen aber auch sehr attraktive Freizeiteinrichtungen sein, die auch in der Konkurrenz mit anderen Freizeiteinrichtungen bestehen können. Dies aus drei Gründen: Der erste Grund ist der pädagogische Auftrag im Sinne der Werbung für den Naturschutz. Der Zoo kann nur die Menschen beeinflussen, die ihn auch besuchen, er muss also im Interesse seiner pädagogischen Effizienz möglichst viele Menschen anziehen, die er dann mit seiner Botschaft erreichen kann.Zum Zweiten kostet es Geld, Aufgaben im Natur– und Artenschutz wahrzunehmen. Je mehr Besucher und damit je mehr Einnahmen ein Zoo hat, umso mehr Aktivitäten kann er finanzieren. Ein Zoo, der effizient sein will, muss also zunächst einmal attraktiv sein. Drittens ist jeder Zoo in irgendeiner Weise von der direkten oder indirekten Unterstützung der Bevölkerung bzw. von deren Vertretern abhängig, zumindest von deren wohlwollender Duldung. Er muss daher so attraktiv und das bedeutet von solcher Qualität und Respektabilität sein, dass sich keine vernünftigen Gründe finden lassen, ihn abzulehnen oder gar zu bekämpfen, dafür aber viele Gründe, ihn zu unterstützen und stolz auf ihn zu sein.

Was aber macht die Attraktivität einer Zoos aus, wie baut man einen attraktiven Zoo?

Es ist dies jedenfalls ein ungemein komplexes Aufgabengebiet, das man nicht über Nacht erlernen kann, und auf das weder ein Biologe noch ein Architekt durch das Studium vorbereitet wird, und für das es auch noch keine Lehrbücher gibt.

Gute Zooarchitektur bedarf der Kenntnis einiger Regeln und Gesetzmäßigkeiten, aber auch der Kreativität, der Phantasie und der ästhetischen wie auch der biologischen Sensibilität.

Um dieses komplexe Gebiet etwas übersichtlicher zu gliedern, habe ich mich – in bewusster Vereinfachung – bemüht, zehn Punkte zu definieren, die man bei der Gestaltung eines attraktiven Zoogeheges berücksichtigen sollte. Unter Gehege verstehe ich dabei alle Haltungssysteme im Freien und in Häusern.

Zuvor aber noch ein paar allgemeine überlegungen zur Attraktivität eines Zoos insgesamt. Der Zoo als Freizeiteinrichtung muss ein paar Grundbedürfnisse seiner Kunden kennen und befriedigen, wenn er der Bereitschaft der Menschen optimieren will, sich auf die Begegnung mit dem Tier einzulassen. Zunächst einmal sollen die Gäste den Zoo gut gelaunt erreichen. Dazu trägt man wesentlich bei durch eine deutliche Ausschilderung, gute Zufahrtsstraßen, ausreichende Parkplatzkapazität und von dort mit einem hübschen Fußweg zum eigentlichen Zooeingang. Wichtig ist der erste Eindruck, ein ansprechender repräsentativer Eingangsbereich, dann saubere, großzügige Toiletten, gepflegte Wege, ausreichend Sitzgelegenheiten, eine besucherfreundliche Restauration. Die gesamte Atmosphäre des Zoos muss ästhetisch befriedigen, wozu die gärtnerische Gestaltung einen ungemein wichtigen Beitrag leistet: Das Zoogelände sollte als schöner Park sogar ohne die Tiere zum Spaziergang einladen.

Man hört es als Tiergärtner, dem die einzelnen Tierhaltungen am Herzen liegen, nicht so gern, aber es spricht einiges dafür, dass die atmosphärische Qualität eines Zoos für das Urteil der Besucher über diesen Zoo noch wichtiger ist als die Qualität der einzelnen Gehege.

Eines scheint aber festzustehen: Die Besuchergunst wird kaum durch die schiere Anzahl der gemeinhin als populär geltenden Tierarten beeinflusst. Entscheidend für das Urteil des Besuchers ist es, ob es gelingt, anregende, aufregende, schöne Tiererlebnisse zu bieten. Die “Kunst der Verpackung”, der Gehegegestaltung spielt also eine sehr wichtige Rolle. Wobei es selbstverständlich Tiere mit unterschiedlichem Schauwert gibt, d.h. manche Arten lassen sich leichter als andere schauwirksam präsentieren. So werden beispielsweise große Tiere als attraktiver empfunden als kleine. Aber da die Größe in Relation zur Umgebung gesehen wird, spielt das Gehege–Design auch hier wieder eine Rolle.

Wenden wir uns also der Gestaltung der einzelnen Tiergehege zu. Der wichtigste Maßstab für die Wirkung eines Tiergeheges auf die Zoobesucher ist die Verweildauer, und die kann ich positiv beeinflussen, wenn ich die folgenden 10 Punkte beachte. Diese 10–Punkte–Liste mag man als eine Art (vorläufiges) Kochbuch des Zoo–Design betrachten, allerdings nicht als Dogma, denn es werden sich immer wieder Fälle finden lassen, wo die eine oder andere Regel keine Gültigkeit hat.

Folgender Satz sei daher als Warnung vorangestellt: “It is probably true that prescriptions for effective exhibit design will never be reduced to a set of specifications that can be looked up in a handbook.” (Shetel, H., 1968, An evaluation of existing criteria for judging the quality of science exhibits. Curator 11/2.American Museum of Natural History, New York).

10 Regeln für die Gestaltung von Zoogehegen

1) Ästhetik

Was für den Zoo insgesamt gilt, hat erst recht für jedes einzelne Gehege Gültigkeit: Nach welchen Prinzipien es auch gestaltet ist, der Anblick eines Geheges muss ästhetisch befriedigen. Nur in einer emotional positiven Situation wird sich der Besucher in dem Maße, wie wir uns dies wünschen, mit dem Exponat, dem Tier, befassen.

2) Großzügigkeit

Ebenso wie die gesamte Einrichtung sollte auch jedes einzelne Tiergehege den Eindruck von Großzügigkeit vermitteln. Ihm sollte nichts Beengtes, Gedrängtes, Zu–klein–Geratenes anhaften. Es ist wohl erwiesen, dass der Besucher großräumige, respektabel dimensionierte Tiergehege, die etwas die Illusion natürlicher Unbegrenztheit schaffen, in der Regel als attraktiver empfindet als die klein und vielleicht zu klein, in jedem Falle bescheiden geratenen Gehege.

Die Größe einer Gehegeoberfläche wird am besten wahrgenommen, wenn das Gelände vom Besucher aus leicht ansteigt. Verstärkt wird dieser Eindruck der Weitläufigkeit noch durch eine leicht erhöhte Position des Betrachters. Zu hoch sollte man allerdings nicht stehen, jedenfalls dann nicht, wenn nur dieser eine Einblick geboten wird. Denn der dann resultierende Blick nur auf den Rücken der Tiere ist nicht die Perspektive, die das Tier besonders vorteilhaft zur Geltung kommen lässt.

Zwei andere Situationen reduzieren den Eindruck der großen Fläche und damit der Weitläufigkeit und Großzügigkeit stark und im Extremfall bis hin zur Verkürzung der Gehegetiefe auf eine Linie: Wenn die Ebene der Gehegefläche deutlich höher liegt als die Position des Betrachters, oder eine vom Standort des Betrachters aus abschüssige Gehegefläche. Beide Faktoren bewirken, im genauen Gegensatz zur “Amphitheatersituation”, eine optische Verkürzung der Raumtiefe bis hin zur bloßen Linie, sie beeinträchtigen stark das Gefühl der persönlichen Einbezogenheit und lassen auch ein eigentlich generös dimensioniertes Gehege schmal und klein erscheinen. Wer die Wahl hat zwischen einem befriedigend großen oder zwei knapp bemessenen Gehegen sollte sich im Interesse der Attraktivität der Einrichtung für das eine große Gehege entscheiden.

3) Natürlichkeit – naturnahe oder naturähnliche Gehegegestaltung

Für diese Forderung gibt es mindestens sechs Gründe.

a) Attraktivität:
Unter vergleichbaren Umständen ist die Begegnung mit einem Tier in der freien Natur fast immer eindrucksvoller als die Begegnung in der Gehegesituation. Den größten Schauwert wird man also erzielen, wenn man ein Tier in einer möglichst natürlich wirkenden Situation präsentiert.

b) Pädagogik:
Wenn ich die Beziehung eines Tieres zu seinem Lebensraum verdeutlichen möchte, gelingt mir dies umso besser , je mehr das Gehege dem natürlichen Lebensraum ähnelt.

c) Naturschutzwerbung:
Für die Natur wirbt man am überzeugendsten mit der Natur bzw. mit einem Anblick, der der Natur so weit wie möglich ähnelt.

d) Zeitlosigkeit:
Natur bleibt sich gleich und kommt nicht aus der Mode. Daher können auch naturnahe Tiergehege nicht unmodern werden.

e) Behavioral enrichment:
Naturnahe Gehege, die gelegentlich auch als “weiche Architektur” bezeichnet werden, bieten den Tieren eine Vielzahl von Betätigungsmöglichkeiten. Sie bieten am ehesten die Chance, dass eine Tierart Bedürfnisse, die dem Tierhalter möglicherweise nicht einmal bekannt sind, dennoch befriedigen kann.

f) Wirtschaftlichkeit:
Naturnahe Freigehege sind in den meisten Fällen pflegeextensiver, also billiger im Unterhalt als konventionelle Haltungssysteme. Für Gehege in Häusern trifft allerdings oft das Gegenteil zu.

4) Die Psychische Nähe

Tierbücher und Tierfilme zeigen bezeichnenderweise immer wieder Tiere in Nahaufnahme. Analog dazu steigt auch im Zoo die Verweildauer vor einem Gehege, je näher man ein Tier betrachten kann. Jedes Tiergehege sollte also die Möglichkeit bieten (nicht erzwingen!), den Tieren an einer oder an mehreren Stellen so nahe wir möglich zu sein. Da andererseits vom Zoobesucher große Tiergehege geschätzt werden (=natürliche Unbegrenztheit), erfüllt man beide Bedürfnisse am ehesten mit langgestreckten, also von unterschiedlichen Standorten aus einsehbaren Gehegen.

5) Die emotionale Nähe (Habitat immersion)

Das intensivste Tiererlebnis und die größte eigene Einbezogenheit bietet die unmittelbare, die schrankenlose Tierbegegnung in der freien Natur oder dementsprechend auch in begehbaren Tiergehegen (Affenwald, Streichelzoo, begehbare Volieren etc.). Wo Abgrenzungen zwischen Mensch und Tier erforderlich sind, sollten diese so unauffällig wie möglich gestaltet sein. Denn: Je dicker die Gitterstäbe, je auffälliger die Trennung, umso größer die innere Distanziertheit des Betrachters. Auf der anderen Seite erzeugt sinnliches Involviertsein das Gefühl der nähe: Nicht nur sehen, sondern auch hören, riechen und vielleicht sogar berühren sollte möglich sein. Das Immersionsprinzip (landscape immersion, also das scheinbare oder tatsächliche Eintauchen des Betrachters in den tierlichen Lebensraum) zielt darauf ab, die eigene Einbezogenheit des Betrachters maximal zu realisieren: Die Gehegegrenzen werden kaum noch wahrgenommen, die Gehegestrukturen setzen sich im Besucherbereich fort und umgekehrt, das Draußen und das Drinnen bilden optisch und gefühlsmäßig eine Einheit.

6) Den Reiz des Entdeckens bieten

Tiergehege sollten etwas Geheimnisvolles an sich haben, das neugierig macht und zum Entdecken reizt: Man sollte verschiedene, unterschiedliche Einblicke auf verschiedene Gehegebereich bieten. Der “split level view”, also der Einblick aus verschienenen Perspektiven (über Wasser, unter Wasser, aus dem Baumkronenniveau, ebenerdig, aus einer Höhle heraus...) provoziert ebenso wie große Körperbewegungen (Heraufsteigen, Hinabsteigen, überklettern etc.) die Neugierde und den Forscherdrang. Das falsche Rezept wäre also die “Rennbahnsituation”: Ein schnurgerader Weg führt nicht zu einem Gehege hin sondern daran vorbei, dieses ist von jedem Punkt aus zu sehen und zu übersehen, keine Strukturen laden zum Verweilen und zum Betrachten ein, es gibt nichts zu entdecken.

7) Unabgelenkte Betrachtung ermöglichen

Die Attraktivität eines Geheges wird beeinflusst von der Anzahl und der Intensität konkurrierender Reize: Ein Gehege (oder einige thematisch zusammengehörige Gehege) sollte daher arrangiert sein wie ein Bilderbuch mit nur einem Bild auf jeder Seite. Von einem Standort aus sollte jeweils nur ein Gehege einsehbar sein. Dieses sollte in einer Art Rahmen präsentiert werden: Störende Durchblicke auf Besucher, andere Gehege oder auffällige Gebäude sollten vermieden werden. Architektendenkmäler wie auffällige, aufwändige Gebäude und Baulichkeiten, bizarre Käfigformen und –strukturen lenken nur ab von dem Gegenstand, dem dieser Aufwand angeblich dient, und sie konterkarieren das angestrebte Naturerlebnis. Die “Bilderbuch–Forderung” darf allerdings nicht als Dogma verstanden werden. Die großartigen Hagenbeckschen Panoramen, die ihre Wirkung gerade dem Blick über viele, hintereinander gestaffelte Gehege hinweg verdanken, sollen natürlich nicht in Frage gestellt werden. Und auch aus anderen Zoos lassen sich schöne Beispiele dafür anführen, wie die Erwartungshaltung der Besucher stimuliert wird mit einem Durchblick auf entferntere Gehege. Vermieden werden sollten aber ungewollte, unschöne, störende Duchblicke. Menschenmengen vor den Gehegen verkürzen die Verweildauer. Optische Trennungen wie Abpflanzungen oder zurückgesetzte Aussichtspunkte mildern den “crowding effect” (Gedränge), schaffen das Gefühl von mehr Intimität.

8) Bequemes Betrachten ermöglichen

Das Betrachten sollte in angenehmer Körperhaltung erfolgen: Kein Recken oder Bücken, keine Genickstarre durch den angestrengten Blick nach oben. Ebenso störend kann der Blick gegen die Sonne sein, den man durch entsprechende Ausrichtung des Geheges vermeiden sollte, oder der Versuch, durch eine spiegelnde Scheibe hindurch etwas zu erkennen. Ein falsches Beleuchtungsgefälle, also der Betrachter im Hellen und das Exponat, das Tier im Dunkeln, laden nicht zu längerem Beobachten ein. Falsch geplante Absperrgräben oder kaum einsehbare Gehegewinkel, in denen sich die Tiere den Blicken entziehen, frustrieren den Betrachter. Damit wende ich mich nicht gegen intime Rückzugsmöglichkeiten in einem Gehege. Es sollte nur nicht vorkommen, dass allein aus planerischem Versehen, ohne tiergärtnerische Absicht, bestimmte Gehegebereiche nicht einsehbar sind.

9) Informationen bieten

Die Attraktivität einer Tierart oder eines Geheges kann in bestimmten Fällen durch ein gutes Informationsangebot um ein Vielfaches gesteigert werden. Die Frage, was vermittelt werden soll und welche Informationen auf welchem Wege an den Zoobesucher herangebracht werden soll, muss bereits ein Teil des Planungsprozesses sein. Die persönliche Vermittlung ist die effizienteste, aber auch die personalintensivste und damit die teuerste Methode. Aber auch eine gute Beschilderung und noch besser interaktive Exponate können den Besucher zu längerem Verweilen und zu spielerischem Lernen animieren.

10) Das Tier–Management

Die Zoobesucher sehen am liebsten aktive Tiere, und sie sehen sie gerne aus der Nähe. Schon während des Planungsprozesses muss bedacht werden, dass Bereiche, in denen sich die Tiere voraussichtlich besonders gern und oft aufhalten, gut einsehbar sind. Es muss überlegt werden, welche Strukturen am besten geeignet sind, die Tiere zu Aktivitäten zu animieren. Durch Fütterung zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Plätzen lässt sich das Verhalten der Tiere so steuern, dass der Zoobesucher davon profitiert. Gegenstände, die manche Tiere gern spielerisch zerstören, können immer wieder aufs Neue in ein Gehege eingebracht werden – zumindest dann, wenn man bereits bei der Planung alle diese Gesichtspunkte bedacht hat und die dafür notwendigen Vorrichtungen vorgesehen hat.

Schlussbemerkung

Wir haben bislang den Zoo recht einseitig aus der Perspektive des Zoobesuchers betrachtet, aus der Einsicht heraus, dass ein Zoo, der bei den Menschen nicht ankommt, keine großen überlebenschancen hat, zumindest ständig mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hat, und dann auch nichts oder wenig für die Tiere tun kann. Die Gretchenfrage lautet, ob ein Zoo, dessen Gestaltung sich sehr stark an den Bedürfnissen der Menschen orientiert, Gefahr läuft, die Interessen der Tiere zu verletzen.

Es gibt sicherlich Situationen, in denen es solche Interessenkonflikte gibt, und in solchen Fällen müssen die Bedürfnisse der Tiere Priorität haben. In den meisten Fällen dürfte aber eine erfreuliche Interessenidentität gegeben sein: Beide “Parteien” bevorzugen geräumige, naturnahe Gehege.

Intakte Sozialverbände, in denen sich viel Verhalten abspielt, vielfältige Gehegestrukturen, die vielerlei Aktivitäten ermöglichen, sind für den Betrachter wie für den tierlichen Akteur am befriedigendsten. Verkürzt ausgedrückt: Glückliche Tiere haben den allergrößten Schauwert. Und die Kunst der Zoogestaltung besteht vor allem darin, erstklassige Gehege zu entwerfen, die gleichzeitig den Bedürfnissen der Menschen wie der Tiere optimal entsprechen.

LITERATUR:

Ebenhöh, Monika (1992): Evaluating Zoo Design. The Importance of Visitor Studies

Conway, W.G. (1973): How to Exhibit a Bullfrog. International Zoo Yearbook. Vol.13, 21–226 London

Maple, T.M. (1993): Zoo Man – Inside the Zoo Revolution. Longstreet Press, Atlanta

Sausman, K. (1982): Zoological Park an Aquarium Fundamentals. American Association of Zoological Parks and Aquariums. Wheeling, West Virginia

Adresse des Verfassers: Dr. Wolfgang Salzert, Paul–Lincke–Str. 19, D–48480 Spelle, E–mail: dr.w.salzert@web.de

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Revised 2017-05-17
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